Wie bei der „Zeit“ der Holocaust relativiert wird

Im Kampf gegen Thilo Sarrazin scheint der „Zeit“ jedes Mittel recht zu sein. Anders ist kaum zu erklären, dass auf der Homepage von „Zeit Online“ heute neben einem Foto von antisemitischen Progromen des Jahres 1938 der Titel des Sarrazin-Buches paraphrasiert wird, und zwar mit Hilfe eines Zitats („Schon damals fürchtete man, dass Deutschland sich abschafft“) des umstrittenen Berliner Historikers Wolfgang Benz.

„Sich mit dem Holocaust zu beschäftigen“, sagt Benz im Interview mit „Zeit“-Redakteur Christian Staas, „heißt für mich, zu fragen, wohin Diskriminierung führt. Jedes genozidale Geschehen beginnt mit der kategorialen Zuschreibung von Eigenschaften zu einer bestimmten Gruppe. Wir brauchen deshalb auch in Deutschland eine international vergleichende Genozidforschung. Wir müssen beschreiben, welche Mechanismen das Morden ermöglichen, wie die Opfergruppen zuvor ausgesondert und diffamiert werden.“

Auf die Frage des Redakteurs, ob auf diese Weise nicht der Holocaust verharmlost werde, antwortet Benz, dass der Vergleich eine legitime wissenschaftliche Erkenntnismethode sei und es ihm fernliege, den Holocaust zu relativieren. So weit, so gut.  Vergleichen ist in der Tat etwas anderes als gleichsetzen. Das Problem ist nur, dass Benz im weiteren Gesprächsverlauf doch wieder bei der Gleichsetzung landet:

„ZEIT: Statt Talmudhetze nun Koranhetze?

Benz: Überspitzt gesagt, ja. Jedenfalls werden gläubige Muslime dadurch zu einer potenziell »bösen Gruppe« erklärt. Sogar der Schritt, so etwas wie einen »muslimischen Charakter« biologisch festzuschreiben, ist vollzogen worden – von Thilo Sarrazin. Wobei ich eines klarstellen möchte, weil es immer wieder missverstanden wird: Ich setze nicht Muslime mit Juden gleich. Selbstverständlich gibt es islamistischen Terror und Fundamentalismus, das leugnet doch niemand, der noch seine fünf Sinne beisammen hat. Mir geht es darum, wie sich die Mehrheit der Bevölkerung gegenüber einer Minderheit verhält.“

Unterschiede zwischen dem Dritten Reich und der heutigen Bundesrepublik Deutschland fallen dem Historiker Benz nicht ein, und der „Zeit“-Redakteur fragt nicht danach. Die beiden reden nur über  Gemeinsamkeiten. Erst setzt Benz Talmudhetze und Koranhetze gleich, wenn auch „überspitzt“, dann fügt er vorsichtshalber an, Juden und Muslime wolle er nicht gleichsetzen. Anscheinend würden Wolfgang Benz und die „Zeit“-Redaktion furchtbar gern Thilo Sarrazin mit Joseph Goebbels gleichsetzen, mögen dies aber aus juristischen Gründen nur  verklausuliert anklingen lassen. Den Rest erledigt die assoziative Verknüpfung zwischen Thilo Sarrazin und den ins Bild gerückten Progromen auf der Homepage von „Zeit online“. Es  ist infam, was die „Zeit“ da macht. Und Blödsinn obendrein, denn Hitler hatte schließlich nicht Abschaffung, sondern größenwahnsinnige Ausdehnung im Sinn.

Wobei bereits die Behauptung, Sarrazin habe einen minderwertigen Charakter von Muslimen biologisch begründet, schlicht und einfach nicht wahr ist. Unterschiedliche Mentalitäten begründet Sarrazin ausführlich kulturell und historisch (z.B. auf S. 32). Sarrazin betreibt auch keine „Koranhetze“, sondern spricht sich für das selbstverständliche Recht der in Deutschland lebenden Muslime auf Religionsfreiheit aus. Es ist ein Trauerspiel, welche Verleumdungen und Verdrehungen eine renommierte Zeitung ihrem Interviewpartner durchgehen lässt.

Vergessen ist auch der Historikerstreit, den einst Ernst Nolte ausgelöst hatte und der gerade in der „Zeit“ damals hohe Wellen schlug.  Wenn es denn dem vermeintlich guten Zweck dient, angebliche  „Vorurteilsstrukturen“ in der Bevölkerung anzuprangern, muss heute eben auch Auschwitz relativiert werden.

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