Wird die „Zeit“ aus Schaden klug?

Die „Zeit“ boykottiere ich am Kiosk weiterhin.  Doch den Artikel von Bernd Ulrich  „Was ist bloß mit uns los?“ in der heute erschienenen Ausgabe kann ich trotzdem empfehlen. Ulrich analysiert darin das Versagen des journalistischen Mainstreams im zu Ende gehenden Jahr und kommt zu Ergebnissen, die in diesem Blog schon vor Wochen anklangen: Homogenität und Hermetik prägen die Medien. Manche Journalisten, die vor politischer Korrektheit kaum gehen können,  haben sich dem gemeinen Volk und der Realität genauso entfremdet wie Teile der politischen Klasse.

Tja, was ist bloß los mit Euch? aus: Die Zeit v. 16.12.2010

 

Das würdelos-lächerliche, selbstreferenzielle Hochjazzen der Wikileaks-Depeschen durch den „Spiegel“ prangert Ulrich zu Recht an, ebenso wie das lange Schweigen der Presse in Sachen Odenwaldschule. Den schon vor zehn Jahren bekannten sexuellen Missbrauch an der Schule kehrte man lieber unter den Teppich, weil man der Reformpädagogik nicht schaden wollte. 

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Eine wissenschaftsfeindliche „Zeit“

In ihrer aktuellen Ausgabe bringt die „Zeit“ eine Doppelseite zur Klimaforschung und verwendet dabei den Begriff des „Klimawandelleugners“.  Der Beitrag steht ausgerechnet im Buch „Wissen“. Zugleich ist er auch im Netz verfügbar, daraus stammt der Screenshot  „Gehilfen des Zweifels“ unten. Ich habe hier und hier kürzlich schon mal darzulegen versucht, warum das Bestreben, in der Klimadebatte eine Analogie zum Holocaustleugner zu bilden, freiheits- und wissenschaftsfeindlich ist.

Die Wissenschaftsfeindlichkeit, von der Teile der „Zeit“-Redaktion erfasst worden sind, wird an Überschrift und Vorspann des Artikels deutlich. Eine vornehme Aufgabe der Wissenschaft sehen „Zeit“-Redakteure in der Kommunikationsarbeit („Wissenschaft  muss mehr denn je überzeugen“) gegen die „Gehilfen des Zweifels“. Kaum zu fassen! Ohne dass ein Chefredakteur intervenieren würde, dürfen „Zeit“-Autoren Wissenschaft mit Religion verwechseln. 

Wo es um  Religion geht, müssen die Evangelisten gegen Zweifler vorgehen, die an den Fundamenten des Glaubens herumkritteln. In der Wissenschaft ist das anders. Der Zweifel ist unverzichtbar im Methodenkasten des Wissenschaftlers.  Nur Erkenntnisse, die dem systematischen, rigorosen Zweifel standhalten, können als wissenschaftlich gelten. Helmut Schmidt, der geschätzte Herausgeber der „Zeit“ (der selbstverständlich für aktuelle Entwicklungen des Blattes nicht verantwortlich zu machen ist), hat sich aus guten Gründen immer  zu Karl Poppers kritischem Rationalismus bekannt, also zum Falsifikationsprinzip, das dem Zweifel einen Ehrenplatz einräumt. Kurzum, die „Gehilfen des Zweifels“, gegen die die „Zeit“ da zu Felde zieht, das sind – Wissenschaftler.

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Grüner Totalitarismus

Kürzlich hatte ich mich über den in Essen lehrenden Sozialpsychologen Harald Welzer erschrocken. Welzer hatte in einem Interview mit der „Zeit“ Holocaustleugner und Klimaskeptiker in einen Topf geworfen.

Im Klartext:  Er will eine offene Diskussion über Ursachen und Folgen der Erderwärmung so verbieten wie es  in Deutschland – aus guten Gründen – durch das Strafgesetzbuch verboten ist, den millionenfachen, industriell betriebenen Mord an den Juden zu leugnen. Das heißt, verbieten kann ein deutscher Professor ja zum Glück nichts.  Aber er kann Andersdenkende einschüchtern, er kann sie mundtot machen, wenn er es schafft,  sie mit professoraler Autorität und medialer Unterstützung in der öffentlichen Meinung zu Quasi-Kriminellen zu stempeln.

Jetzt berichtet Dirk Maxeiner über eine Anfang November gestellte Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen an die Bundesregierung, die ganz der „Klimawandelleugnung“ gewidmet ist.  „Ist der Bundesregierung bekannt“, so wird unter anderem gefragt, „ob Veranstaltungen von Klimawandelleugnern auch von öffentlichen Mitteln finanziert werden, z.B. über das Liberale Institut der Friedrich-Naumann-Stiftung?“

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