Piratenpartei entert Focus.de

Vieles, was gegenwärtig in den Blogs über Zensur geschrieben wird, ist von  Ahnungslosigkeit und Geschichtsvergessenheit geprägt. Zu befürchten ist, dass am Ende rechtsradikale Rattenfänger vom inflationären Missbrauch des Zensurbegriffs profitieren werden.

Was für ein unfassbarer Blödsinn selbst unter dem Namen einer Medienmarke wie Focus im Netz verbreitet wird, zeigt die folgende Passage. Sie stammt aus einem Beitrag, der unter der Überschrift „Verbotenes Wissen“ über die „Geschichte der Zensur“ am 8. Juli bei Focus.de veröffentlicht wurde.

„Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erklärte die Verfassung der Bundesrepublik in Artikel 5 schließlich: ´Eine Zensur findet nicht statt.´ Wie dies im Einzelnen aussah, lässt sich anschaulich an der Fernsehserie ´Raumschiff Enterprise´ darstellen. Von 79 produzierten Folgen kaufte das deutsche Fernsehen 1972 gerade einmal 39, weil alle anderen ´geschmacklos und gewalttätig´ seien.“

Zensur wird also nach dem Verständnis dieses Autors dann ausgeübt, wenn deutsche Fernsehredakteure nicht alles einkaufen und ausstrahlen, was anderswo auf der Welt produziert wird.

Im Tenor läuft der ganze Beitrag darauf hinaus, die Piraten zu Freiheitskämpfern zu stilisieren. So heißt es schon im Vorspann:

„Die 2006 gegründete Piratenpartei Deutschland hat sich den Kampf gegen Internetzensur auf die Totenkopf-Fahne geschrieben. Der Konflikt zwischen freier Information und Bevormundung ist allerdings nicht neu. Bisher kam es bei jedem neu entwickelten Massenmedium zu derartigen Auseinandersetzungen.“

Die Piratenpartei ist also die Partei der „freien Information“, während andere Parteien für Bevormundung stehen? Fragt sich, ob irgendein verantwortlicher Redakteur bei den Focus-Onlinern gelegentlich mal vorbeischauen sollte.

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