Verlorene Ehre

Es wird von Tag zu Tag abenteuerlicher. Laut Spiegel online floss auch ein zehnseitiges Gutachten fast unverändert in die von Guttenberg eingereichte Dissertation ein, das Ministerialrat Dr. Dr. Ulrich Tammler vom Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages 2004  für den damaligen CSU-Abgeordneten zu Guttenberg verfasste. Titel:  „Die Frage nach einem Gottesbezug in der US-Verfassung und die Rechtsprechung des Supreme Court zur Trennung von Staat und Religion“. Nicht nur des Plagiierens hat sich der „vorübergehende“ Stand-by-Dottore offenbar schuldig gemacht, sondern auch der missbräuchlichen Inanspruchnahme öffentlicher Einrichtungen. Abgeordnete dürfen die Wissenschaftlichen Dienste des Parlamentes nämlich nur im Rahmen ihrer mandatsbezogenen Tätigkeit nutzen, nicht für private Zwecke.

Guttenberg kann sich einstweilen zwar noch der Unterstützung durch Bild sicher sein.  Auch die Leserinnen von Bild der Frau, Tina, Bella, Bunte und anderen Yellows  dürften bereit sein, ihm die Stange zu halten.  Aber seine Reputation bei gehobenen Meinungsmultiplikatoren hat Guttenberg nachhaltig verloren,  unabhängig von deren politischer Couleur. Im konservativen Lager bezogen die vom Ideen-Klau direkt betroffenen FAZ und NZZ von Anfang an klare Positionen. „Die verlorene Ehre“ wird Focus-Titelthema am kommenden Montag sein. In der Welt lässt Thomas Schmid zwar einerseits erkennen, dass er Guttenbergs Abgang von der politischen Bühne bedauern würde, gibt aber andererseits auch zu bedenken, dass Guttenberg „eben jene Renaissance der Bürgerlichkeit untergräbt, deren Herold er eben noch war.“ Erfreulicherweise hat Thomas Strobl aka weissgarnix seine anfängliche Alles-halb-so-wild-Position revidiert: „Bundeswehrreform hin oder her. Wer so eine Arbeit fabriziert, und allen Ernstes glaubt, damit davonzukommen, in dessen Kopf müssen Dinge vorgehen, die ich nicht bei einem Verteidigungsminister und schon gar nicht bei einem Bundeskanzler sehen will.“

Bettina Gaus, taz.de, meint unter der Überschrift „Der manische Minister“, Guttenberg setze darauf, dass er die Sache aussitzen könne und nächste Woche eine andere Sau durchs Dorf laufe. Jedoch: „Da wird er sich vermutlich täuschen. Verloren hat er nämlich sein Ansehen – und zwar dauerhaft – gerade in dem Milieu, an dem ihm am meisten liegt. Im Bildungsbürgertum also.“ Zum Bildungsbürgertum und zu den echten Wissenschaftlern gehört „Zettel“, der im Blog Zettels Raum heute nach ausführlicher Analyse sein definitives Urteil fällt: „Der Freiherr Karl-Theodor zu Guttenberg ist ein Blender.“ Absolut nachvollziehbar. Auf 63 Prozent der Seiten seiner Dissertation seien mittlerweile Plagiate gefunden worden, schreibt Zettel. Don Alphonso diagnostiziert bei Guttenberg „Morbus Mubarak Berlusconiensis“.

Die Uni Bayreuth zittere mit Guttenberg, schreibt Ingrid Schneider beim Handelsblatt: „Die Kommission kann Guttenberg dazu auffordern, seine Arbeit nachzubessern oder ihm gar den Doktortitel aberkennen. Lässt man ihn mit einem blauen Auge davonkommen? Für ein Vergehen, für das Studenten der Universität verwiesen werden und Angestellte ihren Job verlieren?“

Aber kann Guttenberg überhaupt so dumm sein, eine solche Copy-and-Paste-Arbeit zu schreiben? Fefe wunderte sich gestern schon: „Wieso betont der Guttenberg eigentlich so, dass er die Arbeit selber geschrieben hat? Noch hat ihm doch gar keiner vorgeworfen, einen Ghostwriter engagiert zu haben. Gut, könnte man jetzt ändern. Wer sich so deutlich vorauseilend verteidigt, klagt sich an.“

Entsprechend der Promotionsordnung der Universität Bayreuth hat Guttenberg sein Ehrenwort gegeben…

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