Rausschmiss wegen „bürgerlicher Kampfschrift“?

Nach vielen Dummschwätzern, Axolotl-geschädigten Feuilletonisten und politisch korrekten Betonköpfen melden sich nun zwei Wissenschaftler in Sachen Sarrazin zu Wort. Die Entwicklungspsychologen und Begabungsforscher Heiner Rindermann und Detlef Rost nehmen in einem bemerkenswerten FAZ-Beitrag zu  Kernthesen Sarrazins Stellung, soweit die in ihr Fach fallen. Ihr Urteil über Sarrazins Arbeit:

„Sarrazins Bestseller ist gespickt mit Zahlen, Tabellen, deutschen und englischen Zitaten und Forschungsergebnissen aus den Bereichen Intelligenz, Bildung, Wirtschaft, Kultur und Demographie, die unter dem Gesichtspunkt der Relevanz für Gesellschaft und Kultur miteinander verknüpft werden. Sarrazin argumentiert, zumindest was das Psychologische angeht, für einen Laien bemerkenswert differenziert; Korrelation wird von Kausalität unterschieden, andere Ansichten werden zitiert und argumentativ bewertet.

Stichprobenartig haben wir im Buch abgedruckte Tabellen mit den jeweiligen Quellen verglichen und Sarrazins Berechnungen nachgeprüft; nennenswerte Fehler konnten wir in diesen Stichproben nicht finden.“

Die Bundeskanzlerin, die  SPD-Granden Gabriel und Wowereit und viele Journalisten haben sich schon blamiert mit ihrer opportunistischen Vorverurteilung des Sarrazin-Buches oder mit abenteuerlichen Falschzitaten und verwegenen Interpretationen dessen, was Sarrazin eigentlich schreiben wollte.  Ganz zu schweigen von „Zensursula“-Campagneros,  die sich plötzlich als politisch korrekte Oberzensoren betätigen. Die  These, der Fall Sarrazin habe nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, weil Sarrazin wochenlang Publizität hatte (eine These mit der zum Beispiel Michael Spreng durchs Land tingelt), ist nicht nur lächerlich. Sie ist vor allem zynisch. Nach dem Motto: „Wieso, man kann doch seine Meinung auch ohne Job und unter Personenschutz sagen.“

Der Bundespräsident (der sich dummerweise auch schon vor dem Beschluss des Bundesbankvorstands geäußert hatte) muss sich nun gut überlegen, ob er einen Mann wegen einer Schrift entlässt, die von den Wissenschaftlern Rindermann und Rost so charakterisiert wird.

„Sarrazins Buch ist im Grunde genommen eine Art bürgerlicher Kampfschrift für Stabilität und Disziplin, Eigenverantwortung und Leistungsprinzip, Realismus und Pragmatismus, Erziehung und Fleiß.“

Ich tippe mal, der Druck auf Wulf wird so groß sein, dass er die Sache willfährig exekutiert. Er ist ja kein Horst Köhler. Die CDU kann immerhin froh sein, noch einen Wolfgang Bosbach zu haben, die SPD einen Klaus von Dohnanyi (der ist allerdings schon 82).

Ich stimme mit Sarrazin nicht in allem überein und kann  kaum einschätzen, welche Folgen sein Buch haben wird. Aber er ist selbstverständlich kein Rassist, sondern meldet sich in der Tat als besorgter citoyen zu Wort, der erstens langfristig und zweitens in Zusammenhängen denkt. Beides lässt sich von weiten Teilen unserer politischen und wirtschaftlichen Funktionseliten beim besten Willen nicht behaupten. Deshalb stört ja Sarrazin ihre Kreise mehr als jeder andere Kritiker. Und er stört sie mit dieser 450-Seiten-Darstellung mehr denn je.

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