Was Oskar Lafontaine über Politikergehälter sagte

Debatten über Politiker- vs. Managergehälter? Alles schon mal dagewesen. Nicht nur, dass Sigmar Gabriel vor acht Wochen fast wortgleich dasselbe sagte wie jetzt Peer Steinbrück in dem von Medienleuten unnötig skandalisierten FAS-Interview. Schon im Juni 1992 veröffentlichte der Spiegel (Heft 24) ein Streitgespräch zwischen dem damaligen SPD-Politiker Oskar Lafontaine und dem Kölner Soziologen Erwin K. Scheuch.

Anlass waren Unklarheiten bei Lafontaines Vergütungen. Auch Lafontaine argumentierte damals ähnlich wie heute Steinbrück. Es dürfe sagte er, zwischen Wirtschaft und Politik nicht „ein solches Gehaltsgefälle bestehen, daß jeder leitende Herr der Wirtschaft, den ich frage: ´Wollen Sie Mitglied meines Kabinetts werden?, mir einen Vogel zeigt.´“ Seither ist die Kluft zwischen dem Einkommen von Politikern und Spitzenmanagern enorm gewachsen; vor allem DAX-Vorstände konnten kräftig zulangen – viel mehr als Durchschnittsarbeitnehmer, wie die jährlichen Analysen der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DWS) zeigen.

Aus dem Spiegel-Gespräch zwischen Lafontaine und Scheuch von 1992:

LAFONTAINE: …Ist es nicht wünschenswert, daß jemand aus der freien Wirtschaft auch einmal ein politisches Amt übernimmt, wie Sie es selbst fordern?

SCHEUCH: Ja, aber dieser Unternehmer darf dann nicht erwarten, für ein öffentliches Amt Spitzensätze der Wirtschaft zu bekommen. Und vergessen Sie bitte auch nicht die teilweise enormen geldwerten Privilegien der Spitzenpolitiker.

LAFONTAINE: Wenn Sie das wollen, darf nicht zwischen der freien Wirtschaft und der Politik ein solches Gehaltsgefälle bestehen, daß jeder leitende Herr der Wirtschaft, den ich frage: „Wollen Sie Mitglied meines Kabinetts werden?“, mir einen Vogel zeigt.

SCHEUCH: Sie als Sozialdemokrat laufen in besonderer Weise Gefahr, bei Ihren Wählern anzuecken, wenn Sie Ihre Bezüge an denen der Manager messen. Wieder ein Beitrag zur Parteienverdrossenheit, denn die Menschen meinen, diese Politiker haben den Kontakt zu ihren Wählern verloren.

LAFONTAINE: Der Einwand ist berechtigt. Viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer staunen über unsere Bezüge. Das weiß ich als Sozialdemokrat und habe mich nie gegen die Kritik gewehrt. Gleichwohl haben wir die Frage zu beantworten, wie wir Manager, Unternehmer und Freiberufler in die Politik holen.

Und ein bisschen Medienschelte

An späterer Stelle in dem Streitgespräch richtete Lafontaine sich an Journalisten und Medienleute:

„Politiker sind nicht besser und nicht schlechter als die Mitglieder unserer Gesellschaft. Sie sind ebenfalls fehler- und irrtumsanfällig. Aber es gibt ein anderes Problem. Selbst wenn Sie es nicht gerne hören: Wenn bei den Journalisten nur noch Abmeiern, Häme und Gehässigkeit dominieren, weil dann die Verkaufszahlen steigen, dann tragen auch die Medien zur Parteienverdrossenheit bei.“

Und, so muss aus heutiger Sicht hinzugefügt werden: Die Medien selbst tragen so auch zur Medienverdrossenheit und zu ihrem eigenen Niedergang bei.

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