Fleischhauer will seinen Kaiser Wilhelm wieder haben

Der Spiegel-Redakteur Jan Fleischhauer, dem linksliberalen Bildungsbürgertum aus Hamburgs feinem Ortsteil Wellingsbüttel entstammend,  hat letztes Jahr ein launiges Buch geschrieben („Unter Linken“), in dem er seinen Wandel zum Konservativen schildert. Ein aufgeklärter Linker konnte, wenn nicht in allen, so doch in etlichen Punkten durchaus schmunzelnd und mit ein wenig Selbstironie zustimmen.

Doch nun schwätzt sich der Mann um Kopf und Kragen. Er übertrifft um Längen die reflexhafte, verknöchert-dogmatische Besserwisserei, die er auf der linken Seite des politischen Spektrums kritisierte. Was für ein Geschwurbel:

„Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Guttenberg gerade kein Bürgerlicher ist, wie schon ein Blick auf die Liste seiner Vornamen zeigt, vom Freiherren ganz zu schweigen. Wenn überhaupt, dann lässt der fahrlässige Umgang mit den Usancen des Wissenschaftsbetriebs ein Standesbewusstsein erkennen, wie es dem Adel seit jeher eigen ist. In dieser Welt nimmt man sich, was einem zu gebühren scheint, heute ist es eben der ´Dr. jur.´ an der Uni Bayreuth. Gerade Linke sollten Klassenunterschiede kennen…“

Der Umgang des Freiherrn mit den Wissenschaftsstandards sei halt „typisch für die laxe Art des Adels“, macht Fleischhauer zugunsten  Guttenbergs geltend, der sich nach Fleischhauers Lesart eine „Schlamperei bei den Fußnoten“ geleistet hat. Man fasst es nicht, denn selbst Guttenberg hat es schon schärfer formuliert („Überblick verloren“).

Also, Herr Fleischhauer, es ist so:  Wir haben hier inzwischen eine Republik,  in der die „Art des Adels“, von der Sie sprechen, nicht maßgebend ist. Der letzte Kaiser setzte sich 1918 mit der Eisenbahn eiligst nach Holland ab. Und damit das klar ist: Die Republik wird mit Klauen und Zähnen gegen monarchistische Umtriebe und durchgeknallte Putschisten jeder Couleur verteidigt.

Im Ernst: An der Qualität der Argumente seiner Fürsprecher ist abzulesen, wie unhaltbar Guttenbergs Position ist.

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