Eisiges Konsumklima im Süden

Wenn man sich die von der EU veröffentlichten Konsumklimadaten anschaut,  muss man sich  fragen, wie Griechenland ohne Umschuldung aus der Abwärtsspirale herauskommen soll. Es gibt dort gegenwärtig kaum noch Haushalte, die mit Optimismus auf ihre Einkommensentwicklung im Jahr 2011 blicken. Das Übergewicht der Pessimisten gegenüber den Optimisten beträgt fast siebzig Prozentpunkte.

Während auch die Portugiesen pessimistisch wie nie gestimmt sind, unterscheiden sich die Spanier diesbezüglich kaum noch vom Durchschnitt der Eurozone. 2009 hatten bei ihnen die Pessimisten noch stärker als in Portugal die Oberhand gegenüber den Optimisten gehabt.  Für Irland wurden zuletzt aus nicht bekannten Gründen keine Daten veröffentlicht.

In Deutschland ist gegenwärtig der Optimismus stärker ausgeprägt als in der Eurozone. Man muss die Daten ein bisschen relativieren, weil Konsumenten in Umfragen vielfach nur zu Protokoll geben, was der Medien-Mainstream zuvor gemeldet hatte. Die Daten zum Konsumklima, in Deutschland von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erhoben und vermarktet (Letzteres manchmal recht laut), werden dann wiederum ins Mediensystem eingespeist und tragen zur Entwicklung der Stimmung bei. Der Prozess ist also in Teilen selbstreferenziell, er schafft Raum für Herdentrieb und Selbstverstärkungseffekte.  Für andere Länder, zum Beispiel Griechenland, gilt das in ähnlicher Weise wohl auch.

Unabhängig davon: Diejenigen Nachfragetheoretiker, die uns bis vor wenigen Jahren lautstark und penetrant die konsumfreudigeren Nachbarländer als leuchtende Beispiele vorhielten, könnten mit ein wenig intellektueller Redlichkeit durchaus ´mal einräumen, dass viele der einst von ihnen bejubelten Entwicklungen sich mittlerweile als nicht nachhaltig erwiesen haben. Das gilt insbesondere für den durch zeitweise negative Realzinsen befeuerten Immobilienboom in vielen Ländern, der jahrelang konsumtive Blasen begünstigte.

Die deutschen Nachfragetheoretiker ziehen es aber  vor, ihre Landsleute dafür zu rüffeln, dass sie vergleichsweise solide wirtschafteten. Die Deutschen sollen sich nach Ansicht dieser Theoretiker endlich ´mal locker machen, auf dass sie nicht immer wieder „imbalances“ im internationalen Gefüge verursachen. Für die zukünftigen Bailouts stünden dann allerdings nur noch die Chinesen bereit.

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2 Gedanken zu “Eisiges Konsumklima im Süden


  1. Für die zukünftigen Bailouts stünden dann allerdings nur noch die Chinesen bereit.

    Und den Preis dafür will keiner Zahlen. Die Rechnung der „Nachfragetheoretiker“ geht nur mit substanziell höheren Inflationsraten auf. Und auch nur dann, wenn keiner mit denen rechnet was spätestens nach deren Eintreten nicht mehr der Fall sein wird.

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