Kommentar überflüssig

Ein bemerkenswerter Beitrag ist das, den Jakob Augstein da am 24. Dezember veröffentlicht hat. Die erste Passage zeigt, wie Augstein glaubt, einen Lügner überführen zu können. Die zweite Passage zeigt, wie er mit Lügnern verfahren will.

„Die FAZ lässt Sarrazin den Satz schreiben: ´Die von mir genannten Statistiken und Fakten hat keiner bestritten.´ Das stimmt einfach nicht. Es ist eine Lüge. Und zwar eine offensichtliche, die den Leser fassungslos macht. Es ist nicht nur so, dass keineswegs keiner Sarrazins Thesen bestritten hat – sondern es ist vielmehr so, dass die Experten geradezu kohortenweise über Sarrazins Kurzschlüsse hergefallen sind. Es sind nämlich nicht die Daten falsch, die er nutzt. Sondern die Schlüsse, die er daraus zieht.

Er bedient sich der Argumentationstechniken, die man von Rechtsradikalen kennt oder von Scientologen. Er lügt einfach. Und wenn er widerlegt wird, leugnet er auch das. Die Lüge ist das Wesen der Demagogie. Wir sind an die Lüge nicht gut gewöhnt. Es ist nicht einfach, in der Öffentlichkeit mit der Lüge umzugehen. Der Lügner hat es leicht. Er behauptet. Der einzige Weg, mit einem gewohnheitsmäßigen Lügner umzugehen, ist ihm das Wort zu entziehen.“

Nachtrag, 27. 12. 2010:

Jakob Augstein hat seinen Artikel gestern abend verändert. Die ursprüngliche Version ist hier noch im Google-Cache zu finden. Eine ausführliche, lesenswerte Auseinandersetzung mit Augsteins Artikel gibt es hier in Zettels Raum. Zettel argumentiert auf einem höheren Niveau als Augstein. In einem Punkt unterscheide ich mich aber von Zettels Position: Ich weigere mich, das, was Augstein gemacht hat, „links“ zu nennen.

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4 Gedanken zu “Kommentar überflüssig

  1. Bei der Augsteinschen Argumentationstechnik frage ich mich: Glaubt der das selber oder macht der das ganz bewußt trotz besseren Wissens? Im ersten Fall wär er einfach nur blöd, im zweiten Fall unredlich bzw. schäbig.

  2. Ich vermute, Augstein hat sich von einem tiefen Gefühl der Abneigung gegen den vermeintlichen Rassisten Sarrazin hinreißen lassen. Die Abneigung gegen Rassismus und Diskriminierung teile ich uneingeschränkt. Aber Thilo Sarrazin (dessen Schlussfolgerungen ich teilweise irreführend finde) ist kein Rassist – und auch kein gewohnheitsmäßiger Lügner.

  3. „… und auch kein gewohnheitsmäßiger Lügner“ – wodurch er sich ja schon mal angenehm von Augstein unterscheidet.

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