Das unendliche Krisenende

Politiker und Volkswirte, die alle naslang die globale Wirtschafts- und Finanzkrise  für beendet erklären, blamieren sich ein ums andere Mal. Olaf Storbeck hat vor ein paar Wochen zu Recht festgestellt:

„Immer, wenn das Schlimmste überwunden schien, ging es in die nächste Runde: Erst brannte der US-Immobilienmarkt, dann die Bankenlandschaft, die Realwirtschaft und eine Reihe von Nationalstaaten. Zwischendurch, in den Monaten nach dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008, stand die Weltwirtschaft gar am Rande einer zweiten Großen Depression. Und bis heute ist die Sache nicht ausgestanden, darüber können auch die zuletzt guten Nachrichten nicht hinweg täuschen.“

Verschuldungskrisen lassen sich eben nur scheinbar mit neuen Schulden lösen.

Jetzt beginnt die Phase des Abwertungswettlaufs und der protektionistischen Maßnahmen. Das Zeitmuster ähnelt dem der Weltwirtschaftskrise des 20. Jahrhunderts; im Herbst 1931 startete England mit dem Abschied vom Goldstandard den Abwertungswettlauf, also rund zwei Jahre nach dem Schwarzen Freitag.  Diesmal preschen die USA vor. Weil China nicht aufwerten mag, wollen die USA ohne Rücksicht auf die Weltwirtschaft ihre Gelddruckmaschine anwerfen und den Dollar auf Talfahrt bringen. Japan hat seit September schon am Devisenmarkt interveniert, um den Yen zu bremsen und obendrein den Leitzins auf Null gesetzt. In Euroland, wo die Leitartikler vor ein paar Monaten noch den schwachen Euro bejammerten,  fürchten sie jetzt, er könne stärker werden. Dass die EZB nur in Maßen prinzipienfest bleibt, wenn´s ernst wird, hat sie anlässlich der Griechenlandkrise schon gezeigt.

Überraschend kommt das alles aber nicht, wie sich an der Entwicklung des Goldpreises ablesen lässt. Jeder Schuldner wünscht sich schließlich zwecks Vermeidung der Tilgung eine hinreichend kräftige Inflation, und noch nie hat die Menschheit – nein, nicht die Menschheit, sondern ihr reicher Teil – so viele private und öffentliche Schulden aufgetürmt wie jetzt. Der Pumpkapitalismus, den Ralf Dahrendorf  letztes Jahr noch einmal beschrieben und den Horst Köhler im Frühjahr dieses Jahres gegeißelt hat, droht allerdings unter einem Berg von Schutt und Schulden auch die Demokratie zu begraben.

Im neuen Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute steht der weise Satz, „dass marktwirtschaftliche Systeme nur funktionieren, wenn diejenigen, die Allokationsentscheidungen fällen, auch deren Konsequenzen tragen.“ Eben diese Haftung wird jedoch umgangen, wenn auf Teufel komm raus Staatsschuld und Geldmenge ausgeweitet werden. De facto arbeiten Schuldner und ihre politischen Unterstützer im globalen Pumpkapitalismus fieberhaft daran, das De-Leveraging ein bisschen komfortabler als durch   Tilgung bewerkstellingen zu können.

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