Links und frei

Interessantes Chart (siehe unten): In den letzten Jahren hat sich eine Mehrheit in der Bevölkerung herausgebildet, die „lieber Eigenvorsorge“ betreiben und „möglichst unabhängig vom Staat“ sein will. 2005 stimmten erst 49 Prozent diesem Statement zu, heute sind es 55 Prozent. Die veröffentlichte Meinung in den Massenmedien und in Blogbeiträgen wie diesem hätte einen völlig anderen Trend vermuten lassen. 

Auch mit dem Begriff  „Eigenverantwortung“ freunden sich die Leute zunehmend an, mit dem Begriff also, den der linkskonservative Professor Butterwegge aus Köln  zum „Unwort des Jahres“ küren wollte. Das Votum für „möglichst viel Eigenverantwortung und nicht mehr Staat als nötig“ gewann zwischen 2005 und 2010 satte sechs Prozentpunkte an Zustimmung hinzu und kommt jetzt auf 41 Prozent.

Ist das alles die Klientel der Westerwelle-FDP? Natürlich nicht. Offenbar möchten viele ganz normale Leute das sozialbürokratische Hütchenspiel „linke Tasche-rechte-Tasche“ ein bisschen zurückführen, den unwegsamen Steuer-Transfer-Dschungel ein wenig lichten. Weil die Formulare der Sozialbürokratie nerven.  Weil sie vom Zuckerbrot des  „Genossen Bismarck “ 120 Jahre und etliche Modernisierungs- und Wohlstandswellen später die Schnauze voll haben. Weil das ganze Paragraphendickicht oft eben nicht den Bedürftigen, sondern  den Cleveren hilft. 

Die Menschen sind weiterhin entschieden für soziale Gerechtigkeit. Sie spenden jedes Jahr solidarisch Riesensummen für die in Not geratenen. Sie denken wie einst Willy Brandt, dass  die Worte links und frei kombiniert werden können.

 Das Chart stammt aus einer aktuellen Präsentation von Allensbach-Chefin Renate Köcher.

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