„Schuldenwachstum ist ein Ponzi“

Die kürzlich schon einmal zitierten Analyse des Economist zur Schuldenkrise ist auszugsweise auch gratis online verfügbar. Besonders eindrucksvoll ist die interaktive Weltkarte der Schulden (nicht nur der Staatsschulden), in der man per Klick zu den Zeitreihen gelangt. Wie man sieht, sitzen  nicht die Schwellenländer in der Schuldenfalle, sondern die früh industrialisierten Länder.

Auch ein etwas längeres Zitat lohnt sich:

„To understand why debt may have become a burden rather than a boon, it is necessary to go back to first principles. Why do people, companies and countries borrow? One obvious answer is that it is the only way they can maintain their desired level of spending. Another reason is optimism; they believe the return on the borrowed money will be greater than the cost of servicing the debt. Crucially, creditors must believe that debtors’ incomes will rise; otherwise how would they be able to pay the interest and repay the capital?

But in parts of the rich world such optimism may now be misplaced. With ageing populations and shrinking workforces, their economies may grow more slowly than they have done in the past. They may have borrowed from the future, using debt to enjoy a standard of living that is unsustainable. Greece provides a stark example. Standard & Poor’s, a rating agency, estimates that its GDP will not regain its 2008 level until 2017.

Rising government debt is a Ponzi scheme that requires an ever-growing population to assume the burden—unless some deus ex machina, such as a technological breakthrough, can boost growth.“

Über die Jahrzehnte hinweg, das zeigt die Grafik unten, generierte zusätzliche Verschuldung selbst in den USA trendmäßig immer weniger Wachstum – obwohl die USA in punkto Bevölkerungswachstum und Integration von Einwanderern besser als Europa abschneiden.

Keine Missverständnisse: Selbstverständlich bleiben die Keynesschen Analysen der Kreislaufzusammenhänge ungeachtet dessen richtig. Selbstverständlich hat  jede „Sparpolitik“ kontraktive makroökonomische Effekte. Nur bricht eben jedes Ponzi-Schema total zusammen, sobald das Vertrauen der Menschen  verloren geht. Am Goldpreis lässt sich besonders leicht ablesen, wie stark das Vertrauen ins Papiergeld bereits jetzt erodiert ist. Massive Vertrauensverluste der privaten und institutionellen Anleger trafen in den letzten Monaten den Euro, Dollar, Pfund und Yen kann es morgen treffen. Nur Narren lassen sich einreden, dass böse „Spekulanten“ solches Ungemach verursachen.

„Rising government debt is a Ponzi scheme“, stellt der Economist  fest. Eine Politik der nichts anderes einfällt als für die Fortsetzung des Ponzi-Systems zu trommeln – womöglich mit weiteren Abwrackprämien oder vergleichbarem Unfug –, ist nicht „links“.  Linke Politik muss mehr als bisher auf die Hebung kulturellen Reichtums in Old Europe setzen, weniger auf materiellen. Linke Politik muss ein kulturelles Existenzminimum neben dem materiellen für jeden garantieren, will sagen: Jeder muss anständig lesen, schreiben und rechnen lernen. Linke Politik muss auch akzeptieren, dass es gerecht wäre, den Armen in früher kolonialisierten Schwellenländern auf längere Zeit einen Aufholprozess beim Ressourcenverbrauch zuzubilligen. Die Superreichen zu Hause –  ja auch das – muss linke Politik kräftiger schröpfen. Die Schröpfung der wenigen Reichen als Allheilmittel auszugeben, würde aber die Menschen ebenso in die Irre führen wie ein Ponzi-System.

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